Thementexte
Frauenherzen schlagen anders
Von Sylvia Canel
Was romantisch klingen mag, hat so mancher Frau das Leben gekostet.
Herzinfarkte, mittlerweile häufigste Todesursache von Frauen (Gesamtsterblichkeit 53%) galten bisher als Männerkrankheit (43,5%). Im Dezember 2002 wurde der erste und einzige Lehrstuhl für Frauenspezifische Gesundheitsforschung mit Schwerpunkt Herz-Kreislauferkrankungen von dem Deutschen Herzzentrum Berlin und der Charité eingerichtet. Erstaunliches fördert seit dem Frau Prof. Dr. Regnitz-Zagrosk, die Inhaberin des Lehrstuhls, zutage:
Frauenherzen schlagen anders. Einige Eiweiße, die die Steuerung des Herzschlags übernehmen, sind anders ausgeprägt als bei Männern. Herzerkrankungen haben bei Frauen andere Ursachen, Konsequenzen und diffusere Symptome. Natürlich haben Frauen auch die klassischen Brustschmerzen, aber häufiger haben sie Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Schweißausbrüche. Und viel häufiger als bei Männern strahlen die Schmerzen auch in den Kiefer oder die Schulterblätter aus. Ärzte denken bei Frauen zunächst nicht an Herz-Kreislauferkrankungen und übersehen diese. (Emma 10/2003)
Die Unkenntnis geschlechtsspezifischer Unterschiede führt dazu, dass Frauen nach einer Herzattacke durchschnittlich 73 Minuten später die Notaufnahme erreichen als Männer. Wenn Zeit verloren geht, sieht die Prognose schlechter aus. 30 Tage nach einem überstandenen Infarkt sterben 33% der Frauen und 28% der Männer. Nach einem Herzinfarkt bekommen Frauen zudem häufiger Medikamente, die nicht dem neuesten Stand der Forschung entsprechen. Die Behandlung der Herzkranzgefäße mit einem Ballonkatheder wird bei 22% der Männer durchgeführt, aber nur bei 14% der Frauen. (Enquete-Kommission Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung NRW) Herztransplantationen werden bei Frauen seltener gemacht, verlaufen aber besser. (Gesellschaft für Geschlechterforschung in der Medizin).
Aufgrund dieser und ähnlicher Erkenntnisse besteht ein immenser geschlechtsspezifischer Forschungsbedarf nicht nur auf dem Gebiet der Herz-Kreislauferkrankungen, sondern auch in anderen klinischen Fächern, wie zum Beispiel der Inneren Medizin, Diabetologie, der Rheumatologie und der Psychiatrie. Die bisher vernachlässigten geschlechtsspezifischen Aspekte in der Pathophysiologie, den molekularbiologischen, hormonellen und psychosozialen Krankheitsgrundlagen müssen aufgearbeitet werden.
Deshalb fordern die Liberalen Frauen:
Bei der Vergabe von staatlichen Fördermitteln an medizinische Einrichtungen und an die Deutsche Forschungsgesellschaft muss in Zukunft unbedingt auf Geschlechtergerechtigkeit geachtet werden.
Ausführliche Informationen unter:
www.forum-gesundheitspolitik.de/dossier/index601.htm
http://artemis.bzga.de/frauen und
http://www.dhzb.de/wissenschaft_forschung/gim/