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Offener Brief an die FDP Hamburg

Nachricht

Offener Brief an den Landesvorsitzenden der FDP Hamburg

Sehr geehrter Herr Fock,

die Zahlen sprechen für sich: Die weiblichen Wähler haben im Februar 2008 den Einzug der FDP in die Bürgerschaft verhindert!

Die FDP-Wählerschaft bestand zu 60% aus Männern. In keiner Altersgruppe haben mehr als fünf Prozent der Wählerinnen die FDP gewählt. Bei der Bundestagswahl 2005 sah es nur wenig besser aus. Unser Ziel muss es daher sein, mehr Frauen von der FDP zu überzeugen. Gerade für aktive Frauen, die bestens ausgebildet und hoch motiviert ein selbstbestimmtes Leben führen, haben wir als FDP ein hervorragendes Programm.

Warum also hat es nicht geklappt? Aus der Wahlforschung wissen wir, dass langfristige Parteibindungen in den letzen Jahren abgenommen haben und weiter abnehmen werden. Die Zahl der Wechselwähler steigt. Wir wissen, dass die immer stärkere Personalisierung im Wahlkampf dafür sorgt, die hohe Komplexität von Informationen zu reduzieren. Das bedeutet: Einzelne Personen stehen für Parteien und deren Programme - sie sind daher zentral!

Das kann uns gefallen oder nicht - ändern können wir es nicht. Wenn wir Frauen ansprechen wollen, müssen wir Frauen aktiv in das Erscheinungsbild der FDP einbeziehen. Die GAL/ Grünen haben uns eindrucksvoll gezeigt, wie Wählerinnen durch Frauen an der Parteispitze angesprochen werden.

Das Bild der FDP aber ist fast durchweg männlich geprägt - ganz besonders wurde das im Bürgerschaftswahlkampf deutlich:
" Wir haben unseren männlichen Spitzenkandidaten ausschließlich in den Mittelpunkt aller Kommunikationsaktivitäten gestellt.
" Auf den ersten zehn Listenplätzen waren die Frauen mit drei Kandidatinnen deutlich unterrepräsentiert.
" In den Wahlkreisen haben überwiegend männliche Direktkandidaten das Bild der FDP geprägt.
" Auf der Wahlkampf-Abschlussveranstaltung hat keine einzige Frau gesprochen!

Wer den geringen Anteil an Frauen in der FDP Hamburg betrachtet, wird sich darüber zunächst wenig wundern. Es gibt ein deutliches Ungleichgewicht: Während der Anteil der Frauen unter den Wahlberechtigten bei etwas über 50 % liegt, muss die FDP in Hamburg mit einem Frauenanteil von unter 20 % auskommen. Natürlich ist es da schwer, Frauen in ausreichendem Maße zu positionieren.

Die Liberalen Frauen Hamburg haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, Frauen im Erscheindungsbild der FDP Hamburg stärker zu verankern. Wir möchten sie dazu motivieren, mehr Verantwortung in der FDP zu übernehmen. Dazu sprechen wir gezielt geeignete Kandidatinnen an und unterstützen sie bei ihren Kandidaturen.

Eine Quote für Frauen? Nein, wir wollen ausdrücklich keine Frauenquote! Wir richten unser Hauptaugenmerk nicht nur auf die Frauen innerhalb der FDP - uns geht es um die Frauen außerhalb der FDP. Es geht um unsere Wählerinnen!
Mit ihren Stimmen wollen wir für ein besseres FDP-Ergebnis kämpfen. Sich für Frauen in der FDP einzusetzen heißt, sich für die gesamte FDP stark zu machen!

Der Landesvorsitzende Hinnerk Fock hat das längst erkannt und seine Parteifreundinnen schon im letzten Wahlkampf öffentlich dazu aufgerufen, sich noch stärker einzubringen und für politische Ämter zu kandidieren. Das war ein guter Anfang - jetzt muss es weitergehen!

Die Liberalen Frauen fordern den Landesvorsitzenden Hinnerk Fock deshalb auf, öffentlich dazu aufzurufen, den zweiten Platz auf den Listen zur Europawahl und zur Bundestagswahl mit einer Frau zu besetzen.

Darüber hinaus sollen mindestens drei weitere Frauen auf den ersten zehn Listenplätzen vertreten sein. Wir fordern Hinnerk Fock auf, dieses Anliegen in Form eines Mitgliederbriefes an alle Parteimitglieder zu kommunizieren und es auf der Funktionsträgerkonferenz am 3. September, auf dem Landesparteitag sowie den Vertreterversammlungen zur Europa- und zur Bundestagswahl öffentlich zu vertreten.

Wir bitten Sie, Hinnerk Fock, im Interesse der FDP Hamburg um Ihre Unterstützung!


gez. Eva Parbs
im Namen des Vorstandes
der Liberalen Frauen Hamburg

Hamburg, 24. August 2008







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